Aus dem Dorfleben in einer bewegten Zeit
zwischen 1945 und 1989
Aus diesen ereignisreichen Jahren können
nur einige Abschnitte der Entwicklung vom typischen Bauerndorf zu einem
Ort, dessen Anwesen fast ausschließlich Wohnzwecken dienen, dargestellt
werden.
Befehle der sowjetischen Militäradministration
regelten nach dem Abzug der US-Armee 1945 in einer Übergangsperiode
die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung. In diese Zeit
fällt die Enteignung der Rittergutsfamilie Nahr und die Übergabe
ihrer Ländereien an 10 Neubauern in Taltitz sowie die Schaffung
eines Volksgutes. Bald begann die Demontage von Wirtschaftseinrichtungen
sowie der Abriss des Schornsteines der Spiritusbrennerei und später
des gesamten „Herrenhauses“. Lediglich ein Restgebäude
mit Kreuzgewölbe und der nunmehr neu aufgebaute Eckturm sind heute
noch erhalten.
Antifaschistische Bürger, Sozialdemokraten
wie Paul Kneusel, Kommunisten wie Christian Morgner und Robert Schmidt
waren ehrlich bemüht, sich an die dringend zu erledigenden Aufgaben
heranzuwagen. So übernahm der Schwiegervater vom damaligen Pfarrer
Weilbach, Herr Frisch, das schwere Amt des ersten Nachkriegsbürgermeisters.
Das Gemeindeamt befand sich damals im ersten Stock des Gasthofes „Zum
Grünen Baum“.
Viele Aktivitäten zur Belebung des
dörflichen Miteinander gingen von den der Nationalen Front aus.
Vorsitzender war der Umsiedler Johann Zierath. In Taltitz spielte auch
die Frauenorganisation DFD eine herausragende Rolle. Gründungsmitglieder
waren u.a. Elsbeth Bauer (heute unsere älteste Bürgerin) und
Wally Baumgärtel. Eines der schönsten Schul- und Heimatfeste
fand 1954 statt. Über viele Jahre hinweg war der Landfilm ein wöchentlicher
kultureller Höhepunkt im Gasthof „Zum Grünen Baum“.
Besonders an der Vorbereitung des 750-jährigen Jubiläums von
Taltitz aber auch der Turmfeste 1979 und 1983 beteiligten sich wohl
ausnahmslos alle Einwohner. In einer ebenfalls unvergleichlichen Gemeinschaftsaktion
von Mitgliedern des Kulturbundes, der Feuerwehr, vielen anderen Taltitzer
Bürgern und auch Urlaubsgästen gelang es, 1984 eine Weihnachtspyramide
zu errichten, die sich noch heute alljährlich während der
Adventszeit dreht und zum Pyramidenfest einlädt. Großen Anteil
an den zuletzt genannten, gelungenen Festen hatten der damalige Bürgermeister
Gunter Strobel sowie der Ortschronist Werner Kneusel.
Insbesondere die Maßnahmen der „Sozialistischen
Umgestaltung der Landwirtschaft“ prägten in Taltitz ganz
erheblich das Dorfbild sowie die Landschaftsstruktur aber auch das dörfliche
Leben. Bis 1960 war es gelungen, alle Bauern in einer der LPG-Typen
zur gemeinschaftlichen Produktion zu vereinen. Später entstand
ein großer Rinderstall am nordwestlichen Dorfrand sowie die Schweinemastanlage,
die bei Ostwind das Dorf in eine unverkennbare Duftwolke einhüllte.
Der Übergang zur Großraumbewirtschaftung führte zu sichtbaren
Veränderungen des Landschaftsbildes. Alte Feld- und Hohlwege sowie
Feldraine verschwanden. Auch im innerdörflichen Bereich von Taltitz
kam es zu Auswirkungen. Während Bauerngüter ohne „Besitzer“
verfielen (z.B. die Höfe der früheren Bauern Gebhard/Schramm
oder Reichmann/Mielke), dienten die meisten im Verlaufe der Jahre nur
noch als Wohnstätten. Diese Bauerngehöfte hatten damit ihre
frühere Funktion verloren.
Gerade die Sportbewegung prägte in
Taltitz das gesellschaftliche Leben entscheidend. Die SG „Traktor
Taltitz“ war in den fünfziger und sechziger Jahren mit ihrer
Sportwerbegruppe weit über die Kreisgrenzen hinaus bekannt. Den
Verantwortlichen wie Helmut Bieber, Rudolf Naumann, Harti Otto, Walter
Schilling, Rudolf Kneusel, Ernst Stolle und vielen anderen ist zu danken.
Schöne Erfolge erzielten auch die Fußballer. So erkämpfte
sich beispielsweise die A-Jugendmannschaft im Jahre 1957 den Kreismeistertitel.
Nach 40 Jahren fand ein Erinnerungstreffen im „Grünen Baum“,
der einstigen Stammwirtschaft, statt. Mit großem Elan gelang es
in den sechziger Jahren, den Sportplatz mehr in die Dorfnähe zu
verlegen und in der Folgezeit ein Sportlerheim mit Kegelbahn zu schaffen.
Die erste Fußballsaison auf dem neuen Platz fand 1969/70 statt.
Von besonderem Gewicht für das Dorfleben
war in Taltitz schon immer die Freiwillige Feuerwehr. Zusammenhalt in
schwierigen Situationen, Verlässlichkeit, Kameradschaft und die
Fähigkeit, nach getanem Werk zu feiern, garantierte stets den erforderlichen
Zulauf durch die Jugend. Bei Gebiets- und Kreisausscheiden der Feuerwehr
belegten die Taltitzer fast immer vordere Plätze.
Auch an der in Taltitz ansässigen
Stickerei Burucker, dem Handwerk und dem Gewerbe ging die DDR-Zeit nicht
spurlos vorüber. Die bis 1971 noch private Stickerei Burucker wurde
als Kleinunternehmen ein „sozialistischer“ Betrieb. Mit
der Wende erfolgte die Rückführung des Eigentums an die rechtmäßigen
Besitzer. Zwei bodenständige Handwerksbetriebe arbeiteten früher
ebenso zuverlässig wie heute. Ihre Produkte waren stets begehrt
- die Zeilensemmeln der Bäckerei Troll sowie die Fenster und Türen
der Tischlerei Thümmler. Einige Handwerkseinrichtungen wie die
Bäckerei Alfred Rentzsch (Rudolf Kneusel), die Schmiedemeisterei
Otto Enders (Fritz Neumann) und die Schneidermeister Karl Gräf
sowie Alfred Lipinski hatten aus verschiedensten Gründen schon
frühzeitig das Gewerbe aufgegeben. Auch mehrere, nach dem Krieg
noch einige Jahre existierende Kolonialwaren- und Gemüsehändler
unterlagen dem Druck, gaben aber auch den Handel z.T. aus Altersgründen
auf – so Martha Jahn, Hedwig Eschebach und Arno Müller. Einzig
und allein die Konsumverkaufsstelle im Gasthof „Eulenstein“,
über lange Jahre von der Familie Pfretzschner geführt, übernahm
die Versorgung der Dorfbevölkerung, teilweise auch die der Camper.
Nur wenige der Taltitzer Gastwirtschaften
überlebten diese Jahre. Lediglich die älteren Dorfbewohner
können sich noch an die Gasthöfe „Eulenstein“
(Pfretzschner) und „Dobeneck“ (Wirtsschneider) oder das
„Bahnschlösschen“ (Heinzmann) erinnern. Dagegen behaupteten
der Gasthof „Zum Grünen Baum“ (Bäß/Müller/Grundei)
sowie das Ferienheim Fuchs/Reul, später „Am Mühlteich“,
immer ihren Platz. „Hanna`s Getränkehandel“ im ehemaligen
Bahnhäuschen Neue Welt, im Besitz nach wie vor von H. Beckert,
lädt zur gemütlichen Einkehr. Auch die Getränkehandlungen
Skodnik, Trentzsch sowie Schmidt in Dobeneck hatten immer ihre zufriedene
Kundschaft.
Die Taltitzer Gemeindeverwaltung hatte
im Vergleich zu anderen Orten eine zusätzliche schwere Bürde
zu tragen – die ständige Entscheidung für die Jugendherberge
Dobeneck und für das Erholungswesen an der Talsperre. Beachtliches
wurde hier geleistet! Davon zeugt die Entwicklung des Naherholungsbereiches
in den 70er und 80er Jahren an der Talsperre Pirk.
Die Informationen über die Nachkriegszeit,
gibt es als PDF-Datei unter dem folgenden Link
Nachkriegszeit
von Taltitz (PDF, 13,5kb)